Wenn Veränderung Angst macht: Über Unsicherheit, Mut und neue Wege

Du denkst darüber nach, eine Hundetrainer-Ausbildung zu beginnen, und gleichzeitig melden sich Zweifel? Vielleicht fragst Du Dich, ob Du genug weißt, ob der neue Weg zu Dir passt oder was später daraus wird. Solche Fragen müssen nicht alle vor dem ersten Schritt beantwortet sein. Entscheidend ist, wie Du mit der Unsicherheit umgehst.
Frau geht mit ihrem Hund an der Leine über einen Weg im Park.

Inhalt

Wer darüber nachdenkt, eine Hundetrainerausbildung zu beginnen, möchte meistens bereits etwas verändern. Vielleicht gibt es schon lange den Wunsch, beruflich mehr mit Hunden zu arbeiten. Vielleicht passt der bisherige Beruf nicht mehr richtig zum eigenen Leben oder die persönlichen Umstände haben sich verändert. Manchmal ist es auch einfach dieses Gefühl, dass da noch etwas anderes kommen könnte.

Dann entsteht häufig ein scheinbarer Widerspruch: Auf der einen Seite wünschen wir uns Veränderung, auf der anderen Seite kann uns diese Veränderung Angst machen.

Das finde ich nachvollziehbar. Denn auch wenn wir mit unserer aktuellen Situation nicht vollständig zufrieden sind, kennen wir sie wenigstens. Wir wissen ungefähr, was uns erwartet und wie unser Alltag funktioniert. Bei einem neuen Weg fehlt uns diese Sicherheit zunächst.

Deshalb halte ich die Frage, wie wir solche Unsicherheiten möglichst schnell loswerden können, gar nicht für die entscheidende. Vielleicht geht es vielmehr darum, einen vernünftigen Umgang damit zu finden.

Am Anfang muss ich noch nicht können, was ich lernen möchte

Gerade vor dem Beginn einer Ausbildung passiert etwas Interessantes. Obwohl wir uns anmelden, um etwas zu lernen, vergleichen wir uns gedanklich häufig schon mit dem Punkt, den wir erst am Ende dieses Lernwegs erreichen möchten.

Dann entstehen schnell Fragen wie: Wissen die anderen schon viel mehr als ich? Was passiert, wenn ich später vor einer Gruppe stehe und keine Antwort weiß? Kann ich gut mit Kunden umgehen? Und was ist, wenn ich Fehler mache?

Hier finde ich den Gedanken von Carol Dweck zu einem festen und einem entwicklungsorientierten Selbstbild hilfreich. Vereinfacht gesagt können wir Fähigkeiten entweder eher als etwas betrachten, das man hat oder eben nicht hat, oder davon ausgehen, dass sie sich durch Lernen, Übung, Erfahrungen und Rückmeldungen entwickeln können.

Für eine Ausbildung ist die zweite Sichtweise wesentlich hilfreicher.

Wer eine Hundetrainerausbildung beginnt, muss noch kein fertiger Hundetrainer sein. Zwischen dem Wissen und den Fähigkeiten, die jemand heute mitbringt, und dem Punkt, an dem er später einmal stehen möchte, liegt schließlich der Lernweg, für den die Ausbildung da ist.

Und auf diesem Weg wird nicht alles sofort funktionieren. Fehler und Unsicherheiten gehören dazu. Statt deshalb zu fragen, ob man heute schon alles kann, kann es hilfreicher sein zu überlegen, was man in den kommenden Monaten lernen möchte.

Irgendwann bringt weiteres Nachdenken nicht mehr Klarheit

Natürlich sollte eine größere berufliche Entscheidung gut überlegt sein. Man kann sich informieren, rechnen, Gespräche führen und die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Das halte ich für sinnvoll.

Nur gibt es irgendwann einen Punkt, an dem die nächste Runde Nachdenken nicht automatisch mehr Sicherheit schafft.

Jens Corssen beschreibt mit seinem „Selbst-Entwickler“ eine Haltung, bei der wir nicht darauf warten, dass irgendwann alle Bedingungen perfekt sind. Wir verstehen uns vielmehr als jemanden, der sich auch durch das weiterentwickelt, was ihm auf seinem Weg begegnet.

Dieser Gedanke passt für mich gut zu einer Ausbildung. Denn eine Entscheidung für einen neuen Weg bedeutet nicht, dass anschließend sämtliche Zweifel verschwinden müssen.

Man kann sich entscheiden und trotzdem unsicher sein. Man kann anfangen und Respekt davor haben, was auf einen zukommt. Und man kann sich auf eine Veränderung freuen und gleichzeitig Angst davor haben.

Das schließt sich nicht aus.

Nicht jede Frage über die Zukunft lässt sich heute beantworten

Viele Sorgen rund um Veränderungen richten sich auf Dinge, die weit vor uns liegen. Was passiert später beruflich? Werde ich genügend Kunden haben? Wie wird sich mein Leben entwickeln? Und was ist, wenn ein Plan nicht so funktioniert wie gedacht?

Solche Fragen sind nachvollziehbar, aber viele davon können wir heute schlicht noch nicht beantworten.

Hier finde ich einen Gedanken aus dem Stoizismus hilfreich: die Unterscheidung zwischen Dingen, die in unserem Einflussbereich liegen, und solchen, die wir nicht beeinflussen können.

Ich kann heute nicht wissen, wie mein berufliches Leben in einigen Jahren aussieht. Ich weiß nicht, welchen Kunden ich einmal begegnen werde oder wie sich bestimmte Rahmenbedingungen entwickeln.

Was ich beeinflussen kann, liegt viel näher.

Ich kann lernen, Fragen stellen und üben. Ich kann mir Unterstützung holen und Erfahrungen sammeln. Und wenn etwas anders läuft als gedacht, kann ich überlegen, was ich daraus für meinen weiteren Weg mitnehme.

Damit wird aus einer sehr großen Frage nach der gesamten Zukunft wieder etwas Überschaubareres: Was kann ich jetzt tun?

Der nächste Schritt reicht erst einmal

Auch Achtsamkeit kann dabei hilfreich sein. Für mich bedeutet das in diesem Zusammenhang nicht, dass wir jede Unsicherheit wegatmen oder möglichst schnell entspannt werden müssen. Vielmehr geht es darum, wahrzunehmen, womit wir uns gerade tatsächlich beschäftigen.

Viele Ängste beziehen sich auf Situationen, die noch gar nicht eingetreten sind. Natürlich dürfen wir darüber nachdenken. Aber wir müssen nicht jede mögliche Frage über unsere Zukunft bereits heute beantworten.

Manchmal reicht es vollkommen aus, den nächsten Schritt zu kennen.

Vielleicht besteht dieser zunächst darin, sich Informationen zu holen oder ein Gespräch zu führen. Vielleicht ist es die Anmeldung zu einer Ausbildung, später die erste Unterrichtseinheit und irgendwann die erste praktische Übung mit einem Hund.

Größere Veränderungen entstehen selten in einem einzigen Moment. Meist setzen sie sich aus vielen einzelnen Schritten zusammen.

Und nach jedem dieser Schritte wissen wir wieder etwas mehr als vorher.

Wenn mehrere Stimmen gleichzeitig mitreden

Bei wichtigen Entscheidungen erleben wir häufig noch etwas anderes: Wir sind innerlich nicht eindeutig.

Friedemann Schulz von Thun beschreibt mit seinem Modell des „Inneren Teams“, dass unterschiedliche Stimmen in uns gleichzeitig vorhanden sein können. Eine davon erinnert uns vielleicht daran, dass wir diesen Wunsch schon lange haben. Eine andere macht sich Sorgen darüber, ob es finanziell funktionieren kann. Vielleicht meldet sich der Selbstzweifel und fragt, ob andere nicht viel besser geeignet sind. Und gleichzeitig gibt es möglicherweise die Sorge, sich später darüber zu ärgern, es nie versucht zu haben.

Ich finde an diesem Modell besonders hilfreich, dass es nicht darum geht, eine dieser Stimmen einfach zum Schweigen zu bringen.

Die ängstliche Seite möchte möglicherweise Sicherheit. Eine andere fordert einen vernünftigen Plan. Die begeisterte erinnert daran, weshalb dieser Wunsch überhaupt entstanden ist.

Alle diese Stimmen dürfen zunächst gehört werden.

Irgendwann braucht es trotzdem eine Entscheidung.

Schulz von Thun beschäftigt sich im Zusammenhang mit einem erfüllten Leben auch mit der Frage, was man später eher bedauern würde: etwas versucht zu haben oder sich nicht getraut zu haben.

Darauf gibt es natürlich keine allgemeingültige Antwort. Aber die Frage kann helfen, die eigene Entscheidung noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Eine Hundetrainerausbildung verändert nicht nur das Wissen über Hunde

Wer eine Hundetrainerausbildung beginnt, beschäftigt sich zunächst natürlich mit neuem Fachwissen und neuen praktischen Fähigkeiten. Häufig bleibt es aber nicht dabei.

Man lernt auch etwas über die eigene Kommunikation, über Geduld und Erwartungen. Man erlebt, wie man mit Fehlern umgeht, wie es sich anfühlt, vor anderen Menschen aufzutreten, und wie man reagiert, wenn eine Situation anders läuft als erwartet.

Damit kann eine Ausbildung durchaus auch etwas über einen selbst sichtbar machen.

Vielleicht verändert sie später tatsächlich den beruflichen Weg. Vielleicht entwickelt sich manches anders, als man es am Anfang gedacht hat.

All das muss aber noch nicht feststehen, bevor man beginnt.

Vielleicht reicht zu Beginn eine wesentlich kleinere Frage: Möchte ich herausfinden, wohin dieser Weg führen kann?

Angst und Unsicherheit bedeuten dabei nicht automatisch, dass eine Entscheidung falsch ist. Sie können auch auftreten, weil uns etwas wichtig ist und weil wir noch nicht wissen können, was daraus entsteht.

Mut bedeutet für mich deshalb nicht, keine Angst zu haben. Es bedeutet eher, die Unsicherheit wahrzunehmen, vernünftig hinzuschauen und trotzdem selbst zu entscheiden. Die Angst darf dabei durchaus mitreden. Sie muss nur nicht die einzige Stimme sein, die entscheidet.

Alles Liebe ❤️

Dein Jörg

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