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Mythos oder Wahrheit: „An Weihnachten muss der Hund da einfach durch.“
Ganz klar: Mythos! – Ich habe in den letzten Jahrzehnten so viele Hunde begleitet und kaum einer „steckt“ den Festtrubel einfach so weg. Weihnachten bedeutet für Hunde:
- ungewohnte Gerüche
- laute Stimmen
- zusätzliche Menschen
- veränderte Abläufe
- emotionale Stimmung
- und manchmal überforderte Zweibeiner
Viele Hunde zeigen dann Stresssymptome, ziehen sich zurück oder wirken unruhig. Das ist keine „Marotte“, sondern eine normale Reaktion auf Reizüberflutung. Kein Hund muss Weihnachten „aushalten“. Er darf Unterstützung bekommen – feinfühlig, ruhig und liebevoll.
Wie sehr Hunde unsere Stimmung spüren
Etwas, das ich in all den Jahren immer wieder beobachte, ist die enorme Wirkung unserer eigenen Stimmung. Wenn ich innerlich gehetzt bin oder noch schnell tausend Dinge erledigen möchte, bevor der Besuch kommt, spüren meine Hunde das sofort: Sie werden unruhiger, schauen häufiger zu mir, atmen schneller oder ziehen sich in ihre sicheren Bereiche zurück.
Manche Hunde reagieren mit:
- mehr Haaren als sonst
- Verdauungsproblemen
- Aufmerksamkeitsveränderungen
- oder dem Bedürfnis, Türen zu nutzen, die plötzlich offenstehen
Nicht aus Trotz – sondern weil sie emotional mit uns mitschwingen.
Darum ist eine kleine Pause oft das größte Geschenk:
- 5 Minuten tief durchatmen
- ein kurzer Moment Nähe
- ein bewusstes Innehalten
Diese kleinen Pausen verändern den ganzen Tag – für beide.
Routinen – wichtig wie ein sicherer Anker
Routinen sind im Alltag wichtig, aber zu Weihnachten ganz besonders. Sie geben Hunden Struktur, Orientierung und Sicherheit.
Vor allem:
- sensiblen Hunden
- unsicheren Hunden
- älteren Hunden
- Hunden aus dem Tierschutz
Ich sehe immer wieder, wie gut sie auf vertraute Abläufe reagieren. Spaziergänge, Fütterungszeiten, Schlafplätze – all das vermittelt Stabilität.
Aber ich sage auch: Ein Hauch Abwechslung darf sein – behutsam und bewusst.
Eine kleine Änderung im Spazierweg, ein ruhiges Spiel zwischendurch, ein kurzer Moment draußen, wenn es drinnen zu laut wird.
Wichtig ist: Der Hund bestimmt das Tempo.
Ein Bruch aus der Routine ist nichts Großes – es ist ein kleiner, sanfter Schritt, den man gemeinsam geht. So entsteht Lebendigkeit, ohne den Sicherheitsanker zu verlieren.
Rückzugsorte – der wichtigste Baustein
Ein Rückzugsort ist weit mehr als ein Körbchen. Er ist ein Raum der Sicherheit.
Ich empfehle oft, zwei solcher Orte einzurichten:
- Einen Platz im gemeinsamen Wohnbereich – für Nähe ohne Trubel.
- Einen Ort in einem ruhigen Raum – für echte Pause.
Worauf es ankommt:
- Früh etablieren – Ein paar Tage vorher beginne ich, diese Orte positiv zu verknü Dort sitzen, streicheln, Ruhe schenken. So entsteht ein Gefühl von: „Hier darf ich loslassen.“
- Keine Besuchszone – Wenn der Hund dort ist, gilt: Keine Ansprache. Kein „Wo ist er denn?“. Keine neugierigen Kinderhände, die hinterherlaufen.
- Der Rückzugsort reist mit – Wenn wir woanders feiern, kommt das Körbchen oder die Lieblingsdecke einfach mit. Es ist erstaunlich, wie viel Sicherheit allein ein vertrauter Geruch gibt.
Typische Weihnachtsfallen – und warum sie so oft passieren
Jedes Jahr höre ich ähnliche Geschichten – und erlebe manche davon selbst:
- Tannenbäume, die vom Wedeln an Schlagseite bekommen
- Hunde, die zwischen Geschenkpapier verschwinden
- Familien, die komplett aufgelöst sind, weil etwas „nicht perfekt“ lief
- Kinder, die vor Aufregung durch das Haus wirbeln
- Hunde, die plötzlich keinen Blickkontakt mehr möchten
Und bei all dem denke ich: Weihnachten darf echt sein, vielleicht ein bisschen unperfekt, aber herzlich. Was Hunden jetzt hilft, sind nicht perfekte Abläufe, sondern klarere Grenzen, ruhigere Momente und liebevolle Begleitung.
Selbstfürsorge – der rote Faden, der alles zusammenhält
Ein Satz, den ich oft sage – und der gerade an Weihnachten sehr wahr ist:
„Wenn ich gestresst bin, trägt mein Hund diese Last mit.“
Deshalb ist Selbstfürsorge kein Luxus. Sie ist ein Geschenk an den Hund.
- Ein kurzer Spaziergang allein
- ein paar bewusste Atemzüge
- ein Stück Schokolade in der Küche (für uns, nicht für den Hund!)
- oder einfach fünf Minuten Stille
Das entspannt uns – und entspannt den Hund automatisch mit. Das Schönste, was wir unseren Hunden schenken können, sind Ruhe, Sicherheit und ein entspanntes Herz.
Fazit: Ein Weihnachten, das für alle schön ist
Weihnachten ist nicht schön, weil es perfekt ist. Es ist schön, weil es warm ist, weil wir einander sehen, weil wir ein bisschen langsamer werden dürfen.
Wenn Du Deinem Hund Halt gibst, Rückzug ermöglichst und Dich selbst nicht vergisst, dann wird dieses Fest nicht nur für ihn leichter – sondern auch für Dich.
Alles Liebe ❤️
Deine Tina
Du hast Lust auf mehr? Dann höre in meine Podcastepisode „Hunde & Besuch – wie das Weihnachtschaos gelassen gelingt“ von Life-Dog-Balance rein. Vielleicht kannst Du noch den einen oder anderen Tipp abstauben.
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