Inhalt
Mythos oder Wahrheit: „Mein Hund kann das – er will nur nicht.“
Ganz klar: Mythos! – In den allermeisten Fällen scheitert der Rückruf nicht am „Nichtwollen“, sondern am „Nichtkönnen“. Hunde standen noch nie morgens auf und dachten: „Heute ärgere ich mal mein Frauchen.“
Stattdessen vergleichen sie Situationen:
- Was wurde geübt?
- Was lohnt sich?
- Was habe ich verstanden?
- Und was fühlt sich gerade wichtiger an?
Wenn ein Hund nicht kommt, liegt es fast immer daran, dass er die Übung unter diesen Bedingungen noch nicht gelernt hat.
Feinziel – das Bild im Kopf, bevor Training überhaupt beginnt
Ich liebe es, mit Hundehaltern zuerst das perfekte Endbild zu definieren:
- Hebt der Hund beim Signal sofort die Öhrchen und kommt zu Dir?
- Löst er sich sofort aus spannenden Situationen?
- Kommt er fröhlich angelaufen?
- Setzt er sich beim Rückruf hin oder steht er bei Dir?
- Wie nah soll er zu Dir kommen?
- Wie schnell soll er zu Dir kommen?
- Wie ist seine Stimmung dabei?
Dieses klare Bild macht den Unterschied. Denn ohne definiertes Ziel trainiert man ins Blaue. Mit Ziel trainiert man Schritt für Schritt dahin.
Warum der Rückruf oft in „schönen Situationen“ nicht geübt wird
Ein Klassiker: Der Hund spielt fröhlich in der Gruppe – und wir trauen uns nicht, ihn abzurufen. Wir haben Mitleid. Wir denken: „Er hat doch gerade so viel Spaß.“ Oder: „Er kommt jetzt sowieso nicht.“
Das Problem daran: Genau solche Situationen sind wichtig für den Rückruf. Wenn wir sie auslassen, sagen wir dem Hund unabsichtlich: „Bei hoher Ablenkung musst Du nicht reagieren.“ Später, in einer gefährlicheren Situation, erwarten wir dann aber genau das Gegenteil. Ein Missverständnis, das völlig normal ist – aber trainiert werden kann.
Generalisierung – das unterschätzte Herzstück
Die meisten Hunde können den Rückruf. Nur nicht immer und nicht überall.
Sie können ihn:
- im Wohnzimmer
- im Garten
- im Park, wenn niemand da ist
Aber nicht:
- wenn andere Hunde da sind.
- wenn es gut riecht.
- wenn Jogger vorbeilaufen.
- wenn die Stimmung aufregend ist.
Das ist kein Trotz. Das ist fehlende Generalisierung. Je mehr Orte, Gerüche, Stimmungen, Lebewesen und Ablenkungen Du trainierst – desto stabiler wird der Rückruf.
Verstärkung – und warum Timing alles ist
Ein häufiger Fehler: Der Hund kommt nicht – und erst dann holt man den Leckerchenbeutel heraus. Für Hunde ist das eindeutig: „Ah! Es lohnt sich zu warten, bis sie verzweifelt ist.“
Verstärkung gehört nach dem Verhalten, niemals vorher, niemals aus Hilflosigkeit und schon gar nicht als Bestechung. Sonst führen wir ungewollt neue Muster ein.
Silvester & Ausnahmesituationen – hier gelten andere Regeln
Ich habe einen hohen Anspruch an den Rückruf: Ich möchte, dass der Rückruf „immer und überall“ gilt und funktioniert. Aber: Silvester gehört nicht dazu.
Knallgeräusche, Panik, Entfremdung – das kann kein Hund vorher üben. Darum gilt in solchen Ausnahmesituationen absolute Sicherung mit Leine, Halsband und Geschirr.
Das Schönste am Rückruf: Verbindung
Für mich ist der Rückruf mehr als eine Übung. Er ist ein Gefühl, ein Moment, in dem der Hund sich für uns entscheidet.
Wenn ein Hund fröhlich auf Dich zuläuft, die Ohren nach vorne, der Blick klar, die Rute locker – dann ist das pure Verbundenheit. Das wirst Du spüren und dafür lohnt sich jeder Trainingsschritt.
Fazit: Rückruf ist Können, Klarheit und ein bisschen Magie
Ein richtig aufgebauter Rückruf ist nicht nur Sicherheitswerkzeug – er ist Beziehungspflege. Mit klaren Signalen, vielen kleinen Erfolgen, guter Stimmung und einem liebevollen „Ich bin für Dich da“ entsteht ein Rückruf, der sich leicht und selbstverständlich anfühlt. Und genau diese Leichtigkeit schenkt Freiheit.
Alles Liebe ❤️
Deine Tina
Du hast Lust auf mehr? Dann höre in meine Podcastepisode „Fehlerteufel beim Rückruf – warum mein Hund doch nicht kommt“ von Life-Dog-Balance rein. Vielleicht kannst Du noch den einen oder anderen Tipp abstauben.
Hör jetzt rein, lass gerne ein Feedback da und viel Spaß beim Zuhören:
Oder direkt hier reinhören:
Beitrag teilen: