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Was braucht Motivation eigentlich auf der anderen Seite der Leine?
Wenn wir über Motivation sprechen, schauen wir im Hundetraining ganz automatisch zuerst auf den Hund. Er soll lernen, reagieren, mitarbeiten. Doch Motivation endet nicht am anderen Ende der Leine. Sie betrifft genauso Dich als Mensch. Und genau das ist für mich eine sehr gute Nachricht.
Denn Motivation ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann festhält. Sie ist beweglich. Sie verändert sich im Laufe eines Tages, über Wochen hinweg und manchmal auch ganz plötzlich. Es gibt Phasen, in denen vieles leicht von der Hand geht, und andere, in denen selbst kleine Schritte Kraft kosten. Beides gehört dazu. Und beides darf da sein.
Was uns mit Hund motiviert
Jörg beschreibt sehr schön, was ihn grundsätzlich an einem Hund motiviert. Es geht um Fürsorge, um Verantwortung und um Verlässlichkeit. Ein Hund bringt Struktur in den Alltag. Er schafft einen festen Rahmen, der ordnet und beruhigt. Diese Verlässlichkeit wirkt oft stabilisierend – gerade dann, wenn das Leben sonst viel verlangt.
Ein Hund ist da. Jeden Tag. Er braucht uns. Und genau dieses „Da-Sein“ gibt vielen Menschen Halt. Motivation zeigt sich hier nicht laut oder spektakulär, sondern leise und tragfähig – im gemeinsamen Rhythmus, in Routinen und im Wissen, dass jemand auf uns angewiesen ist.
Wenn Motivation leiser wird
Motivation bleibt nicht immer gleich hoch. Alltag, Stress, belastende Situationen oder herausfordernde Phasen mit dem Hund können dazu führen, dass sie sinkt. In solchen Momenten entsteht schnell das Gefühl, zusätzlich funktionieren zu müssen.
Mir ist an dieser Stelle wichtig zu sagen: Motivation geht nicht verloren, weil jemand nicht will oder sich nicht genug bemüht. Sie wird leiser, weil Kapazitäten begrenzt sind. Dieser Unterschied ist entscheidend. Er nimmt Druck heraus und schafft Verständnis – für Dich selbst und für andere.
Drei ehrliche Entscheidungen vor dem Training
Bevor Training wirklich greifen kann, braucht es drei ehrliche Entscheidungen. Nicht im Sinne von „Ich muss.“, sondern im Sinne von „Was ist gerade wirklich möglich?“.
- Willst Du etwas verändern?
- Kannst Du es umsetzen – passen Zeit, Rahmenbedingungen und Unterstützung zusammen?
- Und hast Du aktuell überhaupt die Kapazitäten dafür?
Fehlt eines dieser „Ja“, wird Training schnell zur Überforderung. Das ist keine Schwäche. Das ist Realität. Und diese Realität darf benannt werden, ohne dass daraus Schuld oder Druck entsteht.
Lernen braucht passende Rahmenbedingungen
Menschen lernen ähnlich wie Hunde. Auch wir bauen neue Verhaltensweisen nicht auf Knopfdruck auf. Wir müssen alte Gewohnheiten verlassen, neue Strukturen etablieren und Wiederholungen zulassen. Das braucht Zeit, klare Rahmenbedingungen und realistische Erwartungen.
Kleine Schritte sind dabei oft der Schlüssel. Sie sind überschaubar, machbar und lassen sich gut in den Alltag integrieren. Große Ziele ohne passenden Rahmen hingegen nehmen Motivation schneller, als sie aufgebaut werden kann.
Motivation im Trainingsalltag erhalten
Gerade in Trainings- oder Seminarsituationen zeigt sich sehr deutlich, wie schnell Motivation sinken kann. Lange Wartezeiten, innere Unruhe oder Überforderung führen dazu, dass Menschen gedanklich aussteigen. Das ist nichts Ungewöhnliches – sondern menschlich.
Was hier hilft, sind kluge Rahmenbedingungen. Pausen, kurze Unterbrechungen und echte Wahlmöglichkeiten holen Menschen wieder ins Tun. Wer sich bewusst entscheiden darf, bleibt handlungsbereit – innerlich und äußerlich. Freiheit schafft oft genau den Raum, den Motivation braucht.
Unsicherheit erkennen statt Druck machen
Wenn Aufgaben nicht umgesetzt werden, steckt dahinter häufig keine Gleichgültigkeit oder mangelndes Interesse, sondern Unsicherheit. Das Gefühl, noch nicht sattelfest zu sein. Das Gefühl, alles gegeben zu haben und trotzdem nicht weiterzukommen.
Entlastung entsteht dort, wo kein Vorwurf gemacht wird. Wo Fragen erlaubt sind. Wo Entwicklung als Prozess gesehen wird und nicht als Bewertung. Genau dort kann Motivation wieder wachsen – ruhig und stabil.
Motivation entfaltet Wirkung
Motivation ist kein Werkzeug, das man einfach weitergibt. Sie entfaltet Wirkung dort, wo Menschen und Hunde gesehen werden. Kleine Erfolge, ehrliche Wahrnehmung und bewusste Entscheidungen können Prozesse verändern – nachhaltig und ohne Druck.
Motivation darf leicht sein.
Sie darf freundlich sein.
Und sie darf immer wieder neu entstehen.
Motivation betrifft Euch beide
Alles Liebe ❤️
Deine Tina
Du hast Lust auf mehr? Dann höre in meine Podcastepisode „Motivation für Hund und Halter – Teil 2“ von Life-Dog-Balance rein. Vielleicht kannst Du noch den einen oder anderen Tipp abstauben.
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