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Was bedeutet Motivation für Deinen Hund eigentlich wirklich?
Motivation ist im Hundetraining ein Begriff, der schnell ausgesprochen ist. Und trotzdem lohnt es sich, immer wieder innezuhalten und genauer hinzuschauen. Denn Motivation bedeutet nicht einfach, dass ein Hund „mitmacht“ oder eben nicht. Motivation beschreibt vielmehr die Handlungsbereitschaft eines Hundes – also seine innere Bereitschaft, auf einen Reiz zu reagieren und ins Tun zu kommen.
Diese Handlungsbereitschaft entsteht nicht zufällig. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von inneren und äußeren Reizen. Jörg bringt dafür ein sehr anschauliches Bild: Da steht eine Schüssel mit Futter. Der äußere Reiz ist die Schüssel, der innere Reiz ist der Hunger. Erst gemeinsam entsteht Bewegung. Erst dann kommt der Hund ins Handeln. Genau dieses Prinzip begegnet uns im Training immer wieder – ganz egal, ob wir bewusst üben oder mitten im Alltag stehen.
Motivation ist dabei nichts Festes. Sie verändert sich innerhalb einer Übung, innerhalb einer Trainingseinheit und auch über längere Zeiträume. Und genau deshalb ist es so wichtig, sie nicht festschreiben zu wollen, sondern sie immer wieder neu wahrzunehmen.
Intrinsische und extrinsische Motivation – ein Zusammenspiel
Motivation funktioniert nicht nach dem Prinzip „entweder – oder“. Sie ist nicht entweder intrinsisch oder extrinsisch. Motivation ist immer ein Zusammenspiel.
Die intrinsische Motivation beschreibt das, was von innen heraus entsteht: Neugier, Interesse, Sinn. Nicht jede Handlung bringt dabei automatisch eine hohe Begeisterungsfähigkeit mit sich. Ein „Sitz“ ist für viele Hunde völlig in Ordnung, aber selten etwas, das sie von sich aus besonders antreibt. Andere Aufgaben, bei denen Hunde selbst denken, ausprobieren und Lösungen finden dürfen, bringen oft deutlich mehr innere Motivation mit.
Ist die intrinsische Motivation gering, so bedarf es im Verhältnis mehr extrinsische Motivation und umgekehrt. Also Unterstützung von außen: Futter, Spiel, Stimmung, klare Verstärker. Nicht als Bestechung, sondern um ein Motivationslevel zu schaffen, auf dem der Hund überhaupt reagieren kann. An anderen Tagen reicht weniger Unterstützung von außen, weil der Hund innerlich schon sehr präsent und bereit ist.
Dieses Zusammenspiel ist kein theoretisches Modell. Es ist Alltag. Motivation passt sich an den Kontext an, an die Tagesform, an das Umfeld und an die Erfahrungen des Hundes.
Wenn Motivation zu viel wird
Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist, dass Motivation nicht nur „zu wenig“, sondern auch zu viel sein kann. Das zeigt sich sehr schön bei Alfons, dem Hund von Jörg und mir.
Alfons ist grundsätzlich gut motivierbar – über Futter, über Spiel, über Stimmung. Damit lässt er sich schnell ins Training holen. Gleichzeitig war gerade am Anfang zu beobachten, dass ein sehr starkes Motivationsmittel dazu führen konnte, dass er zwar hoch motiviert war, aber kaum noch konzentriert arbeiten konnte. Die Begeisterung war so groß, dass sie ihn eher aus dem Fokus gebracht hat, statt ihn zu unterstützen.
Motivation soll Handlungsbereitschaft ermöglichen – nicht Überdrehen erzeugen. Deshalb geht es nicht darum, immer mehr Motivation aufzubauen, sondern das passende Maß zu finden. Ein Motivationslevel, auf dem der Hund ruhig, präsent und ansprechbar bleibt.
Wiederholungen und Sinn
Hunde unterscheiden sich stark darin, wie wiederholungsbereit sie sind. Manche arbeiten gerne viele Wiederholungen hintereinander. Andere stellen sehr schnell die Sinnfrage. Ein Kangal zum Beispiel macht ein „Sitz“ vielleicht ein paar Mal – sieht aber keinen Grund, es endlos zu wiederholen. Andere Hunde wiederum haben Freude an Wiederholungen, weil ihnen die Zusammenarbeit selbst Motivation gibt.
Das ist kein Ungehorsam und kein Trainingsproblem. Das ist Persönlichkeit. Und genau diese Unterschiede dürfen wir im Training berücksichtigen.
Kreative Lösungen erkennen
Unsere Bernhardinerhündin Frau Meyer war ein wunderbares Beispiel dafür, wie unterschiedlich Motivation aussehen kann. In klassischen Trainingssituationen war ihre Wiederholungsbereitschaft oft begrenzt. Gleichzeitig konnte sie in anderen Momenten extrem kreativ und lösungsorientiert sein.
Als Besuch mit einem Rollkoffer ins Haus wollte, hat sie das Thema auf ihre Weise geregelt: Sie hat sich einfach auf den Koffer gesetzt. Ruhig, klar und sehr eindeutig. Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass auch vermeintlich ruhige oder in sich ruhende Hunde in bestimmten Momenten eine hohe intrinsische Motivation entwickeln können, wenn der innere Antrieb stimmt.
Motivation im Alltag wahrnehmen
Im Alltag greifen Hunde in unsicheren oder spannungsgeladenen Situationen häufig auf Verhaltensweisen zurück, die sich bewährt haben. „Sitz“ ist dafür ein klassisches Beispiel. Diese Übung ist früh gelernt, positiv verknüpft und steht für Erfolg und Entspannung. Deshalb taucht sie oft genau dann auf, wenn der Hund nicht sicher ist, was gerade von ihm erwartet wird.
Mir ist hier besonders wichtig: Beobachten kommt vor Ausprobieren. Bevor Du nach neuen Motivationsmitteln suchst, lohnt es sich, Deinen Hund im Alltag wirklich wahrzunehmen. Was treibt ihn an? Was kommt von innen? Was hilft ihm, ruhig und handlungsbereit zu bleiben?
Motivation ist kein Trick. Sie ist Beziehung, Wahrnehmung und Kommunikation. Und wenn wir sie als Zusammenspiel verstehen, wird Training nicht schwerer – sondern oft leichter und freudiger.
Vielleicht nimmst Du Dir nach dem Lesen einen Moment Zeit, Deinen Hund einfach zu beobachten – ohne etwas verändern zu wollen. Oft beginnt genau dort echte Motivation.
Alles Liebe ❤️
Deine Tina
Du hast Lust auf mehr? Dann höre in meine Podcastepisode „Motivation für Hund und Halter – Teil 1“ von Life-Dog-Balance rein. Vielleicht kannst Du noch den einen oder anderen Tipp abstauben.
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