Vorbereitung auf die Hundetrainerprüfung

04. Oktober 2017 // Woche 43

Alles gar nicht so einfach

Ich habe das letzte Kapitel von Lektion 12 durch, mehr kommt nicht mehr und ich fühle mich jungfräulich: Denn jetzt bleibt nur noch, mich zur Prüfung anzumelden. Soll ich, kann ich, muss ich? Ich fülle erst mal den Feedbackbogen aus (war alles megagut), dann schau ich mir die Prüfungsfragen an und mir wird sofort schlecht. Sie sind tricky, tückisch, gemein, voller Fallen. Ich lege sie wieder hin und beschließe, alle zwölf Lektionen noch einmal durchzulesen. Klar, bei den Prüfungsfragen könnte ich googeln, aber was bringt mir das?

Die Vetamtsbestimmungen habe ich schon, den Antrag gibt’s ja dankenswerterweise auf der Website von Ziemer&Falke, und da sind auch die Helferlein, also an Außenhilfe mangelt es nicht. Aber der innere Schweinehund ist doch noch sehr stark, ich habe zu wenig Druck. Und merke halt immer wieder, dass ich nicht perfekt bin. Heute morgen zum Beispiel hat die Große mich total verarscht und ich habe prompt falsch reagiert. Wir spielen normalerweise zum Abschluss des großen  Spaziergangs eine Runde Ball, dann müssen beide ihr Apportel bringen, es gibt ein Leckerli und sie werden angeleint. Heute gab’s kein Ballspiel, weil es zu neblig und dunkel war, sondern gleich das Apportel. Die Kleine hat es brav gebracht, sich hingesetzt und auf die Leine gewartet. Die Große hat es genommen und ist durch die Gegend gesaust, wollte damit Zerrspiel machen und dachte nicht dran, es herauszurücken, schon gar nicht, sich zu setzen. Ich wurde stinksauer, habe völlig unüberlegt reagiert und deutliche Worte ausgesprochen. Fehler! Cora drehte fröhlich ihre Runden, mit Apportel im Maul und ich kam ins Grübeln. Respektlos, ist mir eingefallen, meine Cora, die sonst auf Wimpernzucken reagiert, testet mich gerade aus. Aber ich bin klüger. Oder doch nicht? Ich ignoriere die Große, knie mich zur Kleinen und säusele sie zu. Das wirkt sofort, die Große kommt, lässt dass Apportel fallen und will auch geknutscht werden. Ich stehe auf, bitte sie freundlich, ihr Bringsel zu holen. Klappt. Sie kommt, setzt sich hin, mutiert zum Lämmchen und wir gehen, als wäre nie was gewesen, nach Hause. Kontextabhängig fällt mir ein. Aber auch: „Du geheimnist zu viel hinein, hör endlich auf, über jeden Schritt nachzudenken“.

Aber die innere Stimme, die immer und überall mitredet und fragt „Was würdest du jetzt einem Kunden raten?“, ‚“Wie erklärst du den Prüfern dieses Verhalten?“, diese innere Stimme ist bei allen Aktionen dabei.

Ich gehe auf die Facebook-Z&F-Gruppenseite und tröste mich damit, dass es noch mehr angehende Trainer mit Herzklopfen, Prüfungssorgen und Hundeproblemen gibt, die sich nicht so leicht lösen lassen. Vielleicht nehme ich das alles auch viel zu ernst.  Bei manchen Prüflingen war das vertiefende Gespräch ganz easy, anderen wurden die Gesundheitsfragen zum Verhängnis, und wieder andere durften sogar ihren Wunschhund mitnehmen für die praktische Prüfung. Es kommt halt alles auf den Prüfer und nicht nur auf mich als Prüfling an. Und darauf kann ich mich nicht vorbereiten. Also werde ich, wenn ich alles nochmal durchgegangen bin, den entscheidenden Schritt machen und mich anmelden.  Sonst werde ich nie erfahren, ob ich ein guter Hundetrainer bin.

uschi-birr-profilbild

Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.