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17. August 2017 // Woche 38

Selbstständigkeit planen

Jetzt bin ich also bei Lektion 11 Kapitel 2 angekommen und kann locker bleiben. Eine Existenz muss ich nicht gründen, Vollerwerbs-Hundetrainer möchte ich auch nicht werden. Aber ich könnte mich beteiligen, einem Start-upler beim Aufbau oder Ausbau helfen. Dass gerade jetzt eine Trainerin ihre Hundeschule verkauft, dass da neben 8000 Quadratmeter Grundstück und Dutzenden von Sportgeräten auch eine Halle für Schlechtwettertage und den Winter dabei sind, ist Zufall. Umso einfacher kann ich kalkulieren. Wenn ich mich zu einem Drittel oder Viertel finanziell beteilige, wie viele Stunden in der Woche müsste ich dann machen? Und wie viel müsste ich verdienen, damit die Erstfinanzierung (nach wie vielen Jahren) wieder drin ist?

Ein Hoch auf Ziemer&Falke, ein Hoch auf das Skript. Anschaulicher kann man Businesspläne und Strategien nicht mehr erklären. Ich rechne, gewichte, fülle Tabellen aus und verplane im Geiste seufzend die Wochenenden. Da haben die meisten Leute Zeit, da haben sie auch den Kopf frei für sich und ihren Hund. Ich denke auch an die kürzer werdenden Tage, wenn die Abendstunden wegfallen oder in die Halle verlegt werden müssen. Auf dem Platz könnten wir – mein imaginärer Partner und ich – Parallelstunden geben, er ist ja in drei Plätze aufgeteilt. Den Welpengrundkurs und einen Aufbaukurs. Oder vielleicht eine Einzelstunde. Die könnte man ja auch außerhalb des Platzes, daheim bei den Leidesdrucklern, wie ich die Hundehalter nenne, die schon alles probiert haben und doch nicht klar kommen. Ich überlege mir, dass ich ja auch Zeit zum Aufbau und Abbau der Geräte brauche. Und viel Zeit, um die Kurse vorzubereiten, Ausdrucke für Memo-Skripte und Hausaufgaben. Die Schule ist bis jetzt gut besucht, besteht ja schon dreißig Jahre. Die Stammkundschaft ist anspruchsvoll, aber dazu habe ich selber gehört, da kenne ich die Anforderungen. Die Preise müssten wir lassen, warum sollten wir drunter bleiben, wenn die Kunden sie schon gewohnt sind?

Hundespaziergänge könnten wir anbieten, zu einem geringeren Stundensatz, Außenkurse in der Stadt, das ginge auch in der dunklen Jahreszeit, dort ist ja Licht genug.

Die Finanzierung ist für mich weniger das Problem, ich habe gespart und kann in Vorleistung gehen. Die Zeit spielt allerdings schon eine Rolle, weil ich ja noch freiberuflich arbeite und da gelten Termine. Das müssten wir absprechen, mein Partner, der wahrscheinlich eine Partnerin sein wird, und ich. Ein Gewerbe müsste ich anmelden, ein Kleingewerbe wahrscheinlich.

Und dann wäre da noch eine Kleinigkeit: die Prüfungen. Bis jetzt habe ich mich noch nicht mal angemeldet, weil ich täglich schwanke, zwischen „Das schaffe ich mit links“ und “Ich bin nicht gut genug“, ich falle bestimmt durch. Vor allem die praktische Erfahrung fehlt. Also übe ich mit Enkel, der ist schon acht und die Hunde kennen ihn. Wir trainieren richtige Körpersprache und die Leinenführigkeit und „Sitz“ und „Platz“. Cora und Chica schauen mich verblüfft an und reagieren gar nicht. Ich erkläre „Aufmerksamkeit auf dich lenken“ und wir probieren es nochmal. ‚Der Junge konzentriert sich toll, ist sehr ernst und ruhig und vergisst vor lauter Körpersprache zu reden. Nein, ich darf nicht helfen, ich bleibe stumm und stehe gerade. Chica ist die erste, die nachgibt. Sie setzt sich, holt sich die Belohnung und macht sogar ein halbherziges Platz. Cora bleibt erst mal stur. Doch als Chica mit dem Knaben leinenführig durch einen Hütchenslalom läuft, fehlerfrei, voll konzentriert auf ihn (und die Belohnung), klickt’s bei Cora. Ich jubele innerlich, bin unglaublich stolz auf den Kleinen und die zwei Sturköpfe, die auf einmal alle Übungen aus dem Unterbewusstsein holen, die sie bei mir nicht so gefügig zeigen. Lobe und belohne ich zu wenig? Finden Sie den Kinderjubel um ein lächerliches Sitz besser als mein geflüstertes „Fein“? Wir brechen ab, für heute ist es genug, aber ich habe zu knabbern an der lockeren Leine, die beide Hunde perfekt gezeigt haben. Beim Kind, nicht bei mir.

Und notiere: Leinenführigkeit nochmal trainieren, mit mir und zwar ohne Faxen.

uschi-birr-profilbild

Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.