Leinenführigkeit
25. Februar 2016 /
  • Tagebuch-Hundetrainerin-Ausbildung

Lisas Tagebuch – 7 – Leinenführigkeit

Thema der Woche – Leinenführigkeit

HALLO IHR LIEBEN,
WIR SIND ES WIEDER!

Wir hoffen ihr hattet eine wundervolle Woche. Heute beschäftige ich mich in meinem Tagebucheintrag mit einem unserer Probleme: der Leinenführigkeit. „Ach, dieses Problem kenne ich“, denken sich jetzt bestimmt einige. Ja, auch das Problem ist nicht ganz spurlos an uns vorbei gegangen…

Leinenführigkeit

Leinenführigkeit

Geschirr dran und fertig? Das war einmal

Als Finn noch kleiner war, habe ich mich nicht wirklich mit dem Thema Leinenführigkeit auseinander gesetzt. Ich habe ihn am Geschirr angeklickt und los ging der Spaziergang. Nun ja, so ganz durchdacht habe ich die Geschichte nicht. Finn wurde immer größer und größer und auch an Gewicht nahm er schnell zu. Irgendwann war es soweit, dass ich ihn einfach nicht mehr halten konnte. Eine Lösung musste her. Damals war unsere Lösung, Finn immer und immer wieder den Weg zu versperren und mich vor ihn zu stellen. Das klappte [eigentlich] ganz gut. Bis auf [Wenn ein anderer Hund kam, Finn eine Katze sah, er interessante Gerüche in die Nase bekam, Fahrradfahrer an uns vorbei fuhren etc.] 😀 Also wie ihr lesen könnt, klappte es nicht wirklich… Für uns war dieser Ansatz leider nicht der richtige Weg. Ich konnte mich nicht jedes Mal vor ihn stellen, denn er wurde einfach zu groß. Oftmals war das so ein Durcheinander, dass ich glück hatte, nicht schon wieder neben ihm auf der Nase zu landen. Gott sei Dank behandelten wir das Thema Leinenführigkeit im zweiten Seminar. Es wurde uns ausführlich vom Dozenten erklärt und jeder durfte seine Leinenführigkeit mit seinem eigenen Hund, den anderen Seminarteilnehmern zeigen.

Der Vorführ-Effekt

Gesagt getan! Finn benahm sich [wie meistens auf den Seminaren] vorbildlich. Zog nicht an der Leine, war total ruhig und die anderen Hunde interessierten ihn überhaupt nicht. Natürlich war das super schön, aber so benimmt er sich ja nicht auf unserem Spaziergang. Eine Ablenkung musste also her. Auf was reagiert Finn am meisten? BÄLLE – ganz klar. Unsere Dozentin wedelte also währenddessen ich auf dem Trainingsgelände lief mit flauschigen Dummys, Bällen und Beißwürsten hin und her. Das fand Finn schon Mal eine ganze Nummer interessanter. [Endlich] fing er an, an der Leine zu ziehen. Sobald er das tat, blieb ich sofort stehen und wartete bis er sich auf mich zu bewegte. Wieso? Weshalb? Warum? Das erkläre ich euch jetzt.

Wir üben Leinenführigkeit mit Z&F

Zweck dieser Übung ist, dass Finn, wenn er an der Leine zieht, merkt dass Frauchen nicht weitergeht, felsenfest stehen bleibt, nicht mit ihm redet und wartet bis sich Finn dann von selbst korrigiert. Aufgebaut wird die Übung ganz einfach. Als ich angefangen habe zu trainieren, habe ich das Haus mit Finn zum Spaziergang nur noch in zweifacher Ausfertigung verlassen. Was ich damit meine ist, der Hund trägt Halsband UND Geschirr. Ich habe mich entschieden, dass Finn, wenn er die Leinenführigkeit beherrscht, nur noch am Halsband geführt werden soll. Das kann aber jeder für sich selbst entscheiden :) Da ich mich für das Halsband entschieden habe, wird Finn am Anfang des Spaziergangs am Geschirr angeklickt. WIESO? Finn ist gerade wenn wir den Spaziergang beginnen sehr aufgedreht und zieht dann immer mal wieder an der Leine. WESHALB? Ich klicke ihn am Geschirr an, denn da darf er ziehen. Sobald ich ihn am Halsband mit der Leine führe, muss ich jedes Mal wenn er zieht stehen bleiben. WARUM? Am Halsband soll der Hund Leinenführig werden. Das heißt ich lasse nicht zu, dass Finn am Halsband zieht. Wenn ich ihn aber über den ganzen Spaziergang am Halsband führe, obwohl er noch gar nicht Leinenführig ist, so kommen wir überhaupt nicht voran, da ich ja immer konsequent stehen bleiben muss. Der Spaziergang dauert dann statt 30 Minuten ganze 2 Stunden :) Das wäre einfach zu viel Stress. Um die Leinenführigkeit zu üben, hab ich Finn immer nur am Ende des Spaziergangs in das Halsband umgeklickt. Da ist er fast immer ruhiger und läuft schön an der Leine. Diese Sequenzen habe ich immer länger ausgebaut. Anfangs 5 Minuten vor Ende des Spaziergangs, dann 10 Minuten vor Ende usw. Sobald er das beherrscht hat, habe ich immer wieder Sequenzen in den Spaziergang eingebaut, wo Finn erst am Geschirr läuft und ich dann umklicke in das Halsband. Die Sequenzen haben anfangs nicht länger als 5 Minuten am Halsband gedauert. Ganz langsam haben wir die Trainingsschritte gesteigert und das Halsband immer mehr und das Geschirr immer weniger genutzt und siehe da es hat wunderbar funktioniert. Finn korrigiert sich jetzt schön von selbst. Wenn er zieht, bleibe ich stehen. Er dreht sich um, schaut mich an und läuft auf mich zu. Genau so soll es aussehen :) Allerdings befinden wir uns noch im Aufbautraining. Die Leinenführigkeit beherrscht er noch nicht in jeder Situation, aber wir bleiben weiter kräftig dran!

Mein Fazit

Das ist eine von mehreren Methoden den Hund leinenführig zu bekommen. Uns hat diese wunderbar geholfen und deshalb kann ich diese nur weiterempfehlen. Für diejenigen, die sich damit nicht auskennen, würde ich zu einem Trainer raten. Dieser kann das Ganze von außen beurteilen, euch anleiten und Tipps geben.

Damit ihr euch das ganze vorstellen könnt, ist hier mein Video zum Thema Leinenführigkeit.

 

Viel Spaß dabei und bis nächste Woche

Pfote, Lisa & Finn

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Kristina Ziemer-Falke

Sie ist Hundetrainerin und Verhaltensberaterin mit Leib und Seele. Ihre zahlreichen ergänzenden Ausbildungen auf dem Gebiet der Hundeerziehung und -ernährung, der Tierheilpraxis und des Hundesports sowie ihre langjährige Praxiserfahrung als Dozentin und Hundetrainerin machen Sie zu einer echten Hunde- und Menschenversteherin. Doch ihr Herz schlägt nicht nur für Vierbeiner. Kristina engagiert sich stark für den Nachwuchs und ist aktiv im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für Hundetrainerzertifizierungen. Mit ihrem Mann Jörg teilt sie ihre große Leidenschaft. 2011 gründeten sie gemeinsam das Ziemer & Falke-Schulungszentrum, das sie seither mit viel Herzblut und Erfolg und zahlreichen Standorten in ganz Deutschland führen.