Zwei Hund checken sich auf dem Platz ab

So manch eine Fehlinformation über Hunde sind fest in unseren Köpfen verankert. Leider kann dies erhebliche Folgen für unsere lieben Vierbeiner haben. Heute möchte ich daher ein bisschen was über die Kastration beim Hund erzählen. Viele sind leider nämlich noch immer der Meinung, eine Kastration beim Hund würde sich aggressionsmildernd auf ihn auswirken – ein weit verbreiteter Irrtum!

Wenn ich einen aggressiven Hund habe und eine Kastration in Erwägung ziehe, um ihn ruhiger zu bekommen, sollten mehrere Punkte beachtet werden.

Handelt es sich um einen Rüden oder um eine Hündin?

Habe ich einen Rüden, sollte dringend festgestellt werden, ob es sich um eine testosteronabhängige Aggression handelt – sprich, sich die Aggression auf Artgenossen, vornehmlich Rüden, die als Konkurrenten angesehen werden, beziehen.

Oder hat mein Hund so viel Stress, dass er einfach nicht in der Lage ist, auf mich zu hören? Grund dafür könnte eine läufige Hündin sein, die sich vielleicht kilometerweit entfernt aufhält. Dies verursacht einen riesigen Stresspegel, der gesundheitlich auf Dauer nicht gut ist. Hier könnte nach sorgfältiger Prüfung eine Kastration angebracht sein. Dennoch ist ein zusätzliches Hundetraining unerlässlich. Eine Kastration ist niemals als alleinige Behandlung anzusehen.

Liegt die Ursache der Aggression jedoch in erziehereichen Schwierigkeiten, umgelenkten Aggressionen, schmerzinduzierten Aggressionen, Aggressionen zur Verteidigung, territorial, usw., wird eine Kastration dieses Verhalten nicht ändern, sondern ein Verhaltenstraining ist angesagt. Daher sollten wir vorsichtig sein, bevor unser Hund unters Messer kommt.

Zudem empfehle ich auch, vorerst einen Kastrationschip implantieren zu lassen. Dieser simuliert durch Zugabe weiblicher Hormone eine Kastration, da der Testosteronspiegel im Gesamtbild prozentual sinkt. Dieser wirkt nach ca. 2-6 Wochen und hält bis zu 6 Monaten. So kann man einen guten Einblick erhalten, ob unserem Hund eine Kastration gut tun würde.

Haben wir eine Hündin, sieht die Sache anders aus.

Bei ihr kann eine Kastration aggressionsfördernd wirken und dies ca. 6 Monate nach dem Eingriff. Das liegt daran, dass auch Hündinnen über einen Testosteronspiegel verfügen, der für die Aggressionen verantwortlich ist. Dieser ist jedoch bei weitem geringer als bei Rüden. Die weiblichen Hormone überwiegen. Diese sinken jedoch nach einer Kastration fast gen null und somit bekommt der Testosteronspiegel prozentual mehr Gewichtung. Folglich steigt die Aggressionsbereitschaft.

Eine Kastration kann bei einer Hündin aus einem Grund jedoch aggressionsmildernd sein: wenn die Ursache der Aggression zyklusabhängig ist und vor oder während der Läufigkeit auftritt.

Aus diesen Gründen sollte immer individuell und situationsabhängig entschieden werden, ob eine Kastration beim Hund durchgeführt werden soll. Ein Allheilmittel ist sie auf jeden Fall nicht. Die Auswirkungen können fatal sein und dieser Eingriff ist nicht rückgängig zu machen.

Viele Grüße

Deine Tina

1 Antwort
  1. Neeltje Forkenbrock sagte:

    Toll, dass Sie aufklären, dass eine Kastration bei Hund und Katze nicht immer aggressions- mildernd wirkt. Ich habe auch in meinem Bekanntenkreis festgestellt, dass dieser Irrtum weit verbreitet ist. Es handelt sich um einen großen Eingriff für das Haustier, deswegen sollte man sich sehr gut informieren, finde ich.

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