jagdverhalten

16. Juni 2016 // Woche 15

Hallo ihr Lieben,
wir sind es wieder!

Faszinierend, dass doch in jedem Kapitel was Neues steht. Dass Jagdverhalten heute nicht mehr Trieb genannt wird, sondern Motivation, wusste ich schon. Aber die Erbkoordination statt Instinkt ist gewöhnungsbedürftig, da war mir der Instinkt irgendwie lieber.

Jagdverhalten kenne ich – dachte ich

Auch der Unterschied zwischen Funktions- und Handlungskette war mir so nicht klar. Im Jagdverhalten dachte ich, kenne ich mich aus, schließlich bin ich leidgeprüft. Meine zwei waren beide fanatische und erfolglose Jäger, hausgemacht von mir, die keinen Fehler ausgelassen hat. Inzwischen scheinen sie Gelegenheitsjäger just for fun zu sein. Gottseidank, denn der Weg dahin war hart. Für mich, nicht für die zwei Hunde. Die haben sowieso nie etwas gefangen. Zur Nahrungsbeschaffung taugt ihre Rennerei überhaupt nicht. Die einzige Maus, die Cora je erschlagen hat, weil sie draufgesprungen ist, hat sie danach beschnuppert und angeekelt liegen lassen. Ihr sonstiger Fokus liegt auf Enten, Eichhörnchen und Krähen, die sie mit Lust mehr vertreibt als jagt. Weil sie zu den Exemplaren gehört, die langsam von ungerichtetem auf gerichtetes Appetenzverhalten umschalten, lässt sie sich gut unterbrechen. Wenn schon nicht von mir, dann von Chica.

Die Kleine sieht, wie Cora anspannt und erstarrt und saust los – völlig ungerichtet irgendwo hin. Das irritiert die Große kurzfristig und ich kann mit Preydummy oder Ball winken. Manchmal denke ich, sie sind fürs Umlenken dankbar, mit solcher Begeisterung stürzen sie sich auf die geworfene Beute und bringen sie mit deutlichem Stolz zu mir. Chica will dann gelobt und belohnt werden, Cora beißt wie üblich zornig in einen Baum. Manchmal verfolgen die zwei sich auch gegenseitig, vermutlich, um ihr Adrenalin wieder los zu werden. Mir auch Recht, ich kann in Ruhe warten, bis das limbische System und der Neokortex wieder normal miteinander kommunizieren.

Der Hasen Glück…

Einmal ist mein Unterbrechungstrick allerdings gründlich schief gegangen: Der Ball landete in einem Gebüsch und schreckte einen Hasen auf, der direkt vor die Hunde lief. Die Unmengen Adrenalin, die sofort in mich schossen, schalteten meinen Neokortex komplett aus. Das war des Hasen Glück, denn beide Hunde schauten mich erst unschlüssig an, bevor sie losrannten. Der Abstand zum Hasen war schon viel zu groß, sie rasten trotzdem wie die Irren. Bis die Beute außer Sicht von Chica kam, die sofort das Interesse verlor und im gleichen Tempo zurückrannte, so, als würde jetzt sie verfolgt. Mein Hütehund kreiste noch eine Zeitlang mit erhobener Nase herum. Was für ein Jagdverhalten, was für eine Erbkoordination! Das nutzte ich für den Rückruf-Pfiff und es klappte wundersamer Weise.

Mein Fazit:

Seitdem werfe ich Dummys und Bälle nur noch in offenem Gelände. Man muss das Schicksal ja nicht unbedingt herausfordern. Oder?

uschi-birr-profilbild

Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.