Uschis Blog Hundetrainer werden

05. Mai 2017 // Woche 34

Hallo ihr Lieben,
ich bin es wieder!

Praxisseminar 6 machte es superdeutlich. Du kannst dich mit Wissen vollstopfen, deine Hausaufgaben perfekt lösen, am eigenen Hund all die neuen Erkenntnisse ausprobieren: Was fehlt, ist die Erfahrung als Hundetrainer.

Ich spiele Hundetrainer

Wir haben zwei gute Tage erwischt, die Sonne scheint, kein Lüftchen regt sich, der Himmel ist blau und die anderen Teilnehmer meganett. Andi sowieso. Am Tag Eins ist Gruppentraining angesagt. Ich soll meiner Gruppe das Sitz aus der Bewegung beibringen und mache (fast) alles richtig. Das „Fast“ hat es allerdings in sich. Ich stelle mich vor, begrüße die einzelnen Teilnehmer und ihre Hunde, erkläre, was wir heute üben wollen. Lasse sie im Zweimeterabstand sich aufreihen, die Hunde neben sich. Beginne mit jedem Team erst Mal einzeln. Das klappt gut. Dann lasse ich alle gehen und die Hunde ins Sitz schicken. Klappt auch gut. Ich bin hochzufrieden, mache die obligatorische Nachbesprechung („noch Fragen?“), gebe Hausaufgaben fürs nächste Mal mit und warte auf die Kritik.-

Und, wie war ich?

Die Teilnehmer haben nichts auszusetzen, dazu sind sie zu höflich. Aber Andi. Er hat mitgestoppt und ich erfahre, dass ich den Kunden bei sengender Hitze ganze zwölf Minuten gestohlen habe. Jedem von ihnen. Weil sie alle ohne Schatten warten mussten, bis ich mit jedem einzelnen durch war. Ein erfahrener Hundetrainer hätte sie paarweise oder alleine andere Übungen machen lassen, bevor sie dran waren. Warum ärgere ich mich nicht? Weil man schließlich Fehler machen darf, nur halt nicht zweimal.

Herausforderung an Tag 2

Tag zwei, Einzeltraining, ist schon wieder ganz was anderes. Meine Chica soll „Platz“ lernen und meine Trainerin meistert das bravourös. Chica legt sich wirklich hin, erst auf die Decke, dann sogar aufs Gras. Mein Whippet schaut sonst nur vorwurfsvoll, wenn ich ein Platz von ihr verlange, weil das Gras zu nass, zu trocken, zu lang, zu kurz oder überhaupt zu grasig ist. Jetzt aber zögert sie nicht. Bei Cora ist es schwieriger, sie soll sitzen und bleiben, obwohl ich mich entferne. Meine Trainerin macht alles richtig, ich aber nicht. Statt eines energischen Neins röchle ich ein „dadadada“. Ich merke das nicht mal, bis es mir gesagt wird. Mein erstes wirkliches Nein stoppt eine sichtlich irritierte Cora und heute – drei Tage später – bleibt sie tatsächlich wie angewurzelt sitzen. Voller Erfolg.

Jetzt wird es schwierig

Dann aber wird’s windig, der Himmel verdunkelt sich, alle wollen heim (ich auch) und ich bin die letzte. Der kleine Pinschermix legt sich immer flach hin, wenn ein anderer Hund entgegenkommt und lässt sich höchstens mit Gewalt weiterziehen. Vor meinen Augen habe ich das Bild eines anderen Hundes, der genau das gleiche macht, aus Angst. Ich vergesse alles, was ich gelesen und gelernt habe, frage weder nach dem Wann, dem Wie, dem bei Wem, sage forsch „das kriegen wir hin“ und bin schon durchgefallen. Oder wäre durchgefallen, hätte ich diesen Schmarrn bei der Prüfung gemacht.

FAZIT

Andi ist milde wie immer, aber auch schonungslos. Und ich bin um eine Erfahrung reicher. Erst mal Anamnese, Analyse, Fragenkatalog, Grobziel, Feinziel und Herangehensweise. Warum das alles weg war in meinem Hirn, weiß ich bis jetzt nicht. Aber ich habe ja noch Zeit bis zur echten Prüfung. Und das passiert mir garantiert nicht nochmal.

uschi-birr-profilbild

Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.