hundesprache

01. Juni 2016 // Woche 14

Hallo ihr Lieben,
wir sind es wieder!

Kapitel 3 von Lektion 4 ist so plastisch erklärt, dass man (auch ich) meint, die Emotionen und Absichten jedes Hundes glasklar lesen zu können. Also marschiere ich raus und schaue mir Hundebegegnungen an. Ob ich wohl jetzt schon die Hundesprache verstehen kann?

Übung macht den Meister – hoffentlich

Am einfachsten ist noch das Imponieren, das tatsächlich bei einigen Rüden wie auf den Zeichnungen aussieht. Aber die Schnelligkeit, mit der die Ohrstellung gewechselt, die Mundwinkel sich verziehen und sogar der Schwanz ständig neue Signale gibt, ist verwirrend. Vor allem, weil ich ja beide Hunde anschauen muss. Dafür sind meine Augen definitiv nicht gebaut. Hoffentlich macht’s da die Übung. Nach einer halben Stunde gebe ich auf und widme mich meinen beiden. Bilderbuchmäßig kommuniziert Cora. Sie hat zwar nur ein Stehohr, das andere kippt. Aber sie beherrscht Stirnrunzeln, Haare aufstellen, Augen zu Schlitzen verengen und den starren Blick perfekt. Es ist spannend, wie sie von Turborennen in Zeitlupe umschaltet, wenn ein anderer unbekannter Hund in Sicht kommt. Wie sie körperlich zeigt, was sie entschieden hat: netter Kerl, mit Vorsicht zu genießen, Imponierer mit nix dahinter. Wie sie dann entweder entspannt oder auf Krawall aus ist. Ich hab mich dran gewöhnt, dass sie nicht alle und jeden Hund mag und wir gehen weg, wenn Krach droht. Bis jetzt hat das auch immer geklappt. Fast jedenfalls, den Chica, treue Empfängerin von Stimmungsübertragung, aber wohl wissend, dass sie nie eine Chance hat, tarockt nach. Sie kläfft den Gegner, dem wir ja gerade ausweichen, minutenlang hinterher, so hässlich, dass ich mich jedes Mal geniere.

Hundesprache ist nicht gleich Hundesprache

Beim Hinweis in Lektion 4, dass die Zucht die Körper mancher Hunde verändert hat, so dass die Kommunikation manchmal missverständlich ist, muss ich schmunzeln. Ich habe nämlich so einen Hund. Meine Chica trägt ihren Schwanz ordentlich eng am Körper, oft sogar unterm Bauch – rassebedingt, denn sie ist ja ein Whippet. Die anderen Hunde scheinen das zu kennen, sie wird nie gemobbt. Aber ich. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich vorwurfsvolle Blicke ernte mit einem „Die Arme, fühlt sich nicht wohl, gell?“ oder „Die ist ja völlig fertig, sehen Sie das nicht?“ Auch superkluge Passanten, die mich nicht direkt ansprechen, höre ich miteinander reden: „Total gestresst, die Kleine, eine Schande ist das“. Dabei kann die arme Kleine so ein fieses Luder sein. Spricht sie nämlich direkt jemand an, schaltet sie auf Seelenblick und Welpenfiepen, hebt ihre grazile Pfote und beschwert sich. Wehe, der so angesprochene Mensch bückt sich zu ihr. Dann springt sie ihm in die Arme oder auf den Schoß und ich stehe wie der Depp daneben. Klar, dass ich dann die Stimme bei meinem „Chica, zu mir“ anhebe. Und sofort wieder einen eisigen Blick sehe. Vermutlich denken die Leute, ich misshandle meinen Hund. Ändern kann ich’s kaum noch, Chica wird sieben und hat zu viele Erfolge erzielt mit dieser „Ich bin das ärmste Lebewesen auf der Erde, rette mich“-Masche.

Ach ja und gelernt habe ich auch was, mit dem ich jetzt kräftig hausieren gehe. Das Halti imitiert nicht den Schnauzengriff. Jetzt habe ich es schriftlich. Prima, danke Lektion 4.

uschi-birr-profilbild

Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.