Uschis Blog - Woche 9

23. Februar 2016 // Woche 08

Hallo ihr Lieben,
wir sind es wieder!

Kapitel fünf ist wundervoll. Eine Aufgabe, die richtig Spaß macht. Andere beobachten, herausfinden, welcher Hund gestresst ist und auf welche Belohnung er am meisten abfährt.

Ich gehe bewusst nicht auf meinen Hundeplatz, schließlich bin ich dort emotional befangen. Ich besuche einen Hundesportverein in der Nähe und setze mich entspannt bei einem Cappuccino auf die Zuschauerbank. Das Wetter passt, die Hunde warten zu Hause.

Drei Gruppen sind zugange. Eine Welpenspielstunde – zu viel Gewusel. Ein Vorbereitungskurs auf die Begleithundeprüfung – da will ich nicht stören. Und die kleinste Gruppe, nur fünf Hunde-Mensch-Teams mit Einzelübungen. Die sind spannend. Vier niedrige Hürden sind in gerader Linie aufgebaut. Die sollen die Hunde überspringen, das ganz hinten liegende Futterdummy aufheben und es über die Hürden zurück bringen. Das also ist das Ziel. Hier wird offenbar das Foreward Chaining (wir erinnern uns!) praktiziert: Das Dummy liegt erst hinter der ersten Hürde, dann hinter der zweiten…

Drei der Hunde „wissen“ sofort, was zu tun ist und machen konzentriert mit. Auch der dritte, ein kniehoher Pudelmix, vielleicht auch ein Doodle, ist total begeistert. Er hüpft wie ein Gummiball über die Hürden, springt dann sein Frauchen an, umgeht auf dem Rückweg die Hürden, springt wieder gegen die Frauchen-Jacke. Ich konstatiere: Für ihn ist das ein lustiges Spiel ohne irgendwelche Regeln. Alle lachen, auch sein Frauchen, was den Kleinen – totale Stimmungsübertragung – noch lustiger werden lässt. Fünf Versuche hat er, fünf Mal tanzt er seiner Partnerin auf der Nase herum. Abbruch mit einem ordentlichen Sitz, das er immer noch begeistert und auch brav ausführt.

Der Schäferhund, der folgt, ist unruhig. Setzt sich vor die erste Hürde, schaut auf seine „Führerin“, die ihn vorwärts schickt. Bleibt sitzen, kratzt sich, niest dreimal. Die Dame wird nervös, schickt ihn erneut, fuchtelt mit den Armen. Er springt und ist sofort wieder neben ihr. Sie ist sauer, er wird noch nervöser. Warum sagt jetzt keiner was? Der Stress ist so offensichtlich. Jetzt bietet er an, setzt sich eng an ihr Knie, lässt sich vor die Hürde schicken, springt, nimmt das Dummy, und sitzt wieder direkt vor ihr. Ihr „Nein“ tut sogar meinen Ohren weh. Schade, dass keiner hier ein Video macht. Der Hund will ganz sicher alles richtig machen, aber er versteht ihre Signale falsch oder gar nicht, wählt die Flirt-Form der Stressbewältigung und – schon wieder Stimmungsübertragung – spürt wie wütend sie ist.

Auf dem Heimweg kommt mir: Es gibt unendlich viele „Will-to please-Hunde“, aber zu wenig „Will-to-please“-Menschen. Die meisten Hunde wollen alles richtig machen, aber ihre Menschen? Ziehen ihren Stil durch. Viel Trainer-Arbeit, ob ich das schaffe, neutral, ganz ohne Emotionen?

Meine Hunde begrüßen mich enthusiastisch und wollen unbedingt „arbeiten“. Meine totale Lustlosigkeit überträgt sich leider nicht auf sie. Also probieren wir das, was ich gerade gesehen habe, im Backward Chaining: Heb’s auf, bring’s. Ohne Ablenkung, im Garten. Klappt ohne 1000 Wiederholungen. Und doch nicht. Direkt vor mir lassen beide das Dummy fallen. Ich habe das „Sitz“ vergessen und das Gib’s mir. Mist, und die Belohnungen nach jedem Schritt. Und jetzt sind sie frustiert. Na gut, dann eben Hütchenspiel, das kennen und lieben sie und vor allen Dingen gibt’s das, auf das sie besonders stehen: Putenwiener-Stückchen für jedes korrekte Finden.

uschi-birr-profilbild

Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.