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23. Juni 2017 // Woche 36

Die zwei Enden der Leine

Meine letzten Praxistage. So schade. Andi war wieder mal in Höchstform, die Hunde beinahe vorbildlich, weil es so heiß war, dass wohl die Lust auf Eskapaden gedämpft wurde. Wir gingen runter von dem Platz, mitten in die von Landwirtschaft geprägte Natur. Mit Pferdekoppeln und einem offenen Kuhstall. Die Leinenführigkeit hatten wir ja alle theoretisch drauf, aber unter den drei A’s (Andi’s Argus Augen) fanden sich bei jedem doch noch ein paar veränderungswürdige Verhaltensweisen. Bei den Menschen natürlich. Glücklicherweise war ich nicht allein mit Coras Antipathie gegen Kühe und so verbellten zwei vorher leinenführige Hunde die Mutterkühe samt Nachwuchs. Beim ersten Mal. Beim zweiten wurde das schon besser und inzwischen überträgt sich meine Sicherheit auf Cora. Meistens. Viel spannender noch als das Führen des eigenen Hundes an der Leine war das Zuschauen. Es ist wie beim Reiten, bei anderen sieht man jede Irritation sofort und könnte mit guten Ratschlägen aufwarten. Macht aber prompt fast dieselben Fehler und darf von den anderen korrigiert werden. Wir konnten uns allerdings auch selbst korrigieren, weil Andi alles auf Video aufgenommen hatte und uns mittags vorführte. Schon blöd, wie man sich manchmal anstellt.

Das Parcours-Laufen auf dem Hundeplatz  – wieder mit Video dokumentiert – war noch spannender. Wir waren ja eine sehr gemischte Truppe mit Teams, die zum ersten mal einen Praxistag absolvierten (weil es ja Praxiskurs 1 war) und solchen, für die es die letzte Überprüfung des Lernstoffes in der Praxis war. Wie mich, die am liebsten noch zehn solcher Kurse machen würde. Der Parcours jedenfalls, durch Warnbaken markiert, mit einer Acht, die zu laufen war und einem Tor, das das Rückwärtslaufen anzeigte, war superspannend. Jeder, und wirklich jeder der Teilnehmer hatte eine andere Art, dem Hund an der Seite mitzuteilen, dass er darauf zu achten habe, dass die Leine locker bleibt. Vom gesprochenen Wort über unbeirrtes Vorwärtslaufen bis zu einem schwungvollen Gesten-Tanz, der den Hund mitriss, war alles dabei.

Und noch ein spannendes Spiel gab es: Mit geschlossenen Augen sitzt jeder von uns auf einem Stuhl, der Hund an der Leine sitzt, liegt oder steht davor. Wir fühlen nichts außer der lockeren Leine, sehen nicht, mit welchen Ablenkungsversuchen die Hunde aus der Reserve gelockt werden sollen und müssen in Bruchteilen von Sekunden korrigieren, sobald wir spüren, dass die Leinen-Lockerheit sich verändert. Super-Spiel, das ich, werde ich je ein Hund-Mensch-Team trainieren, immer spielen werde.

Auch die Video-Schau des Parcours-Laufens – jeder ist ihn mindestens zweimal gelaufen – war aufschlussreich und es macht Click in einem selbst. Muss man unbedingt machen, damit die Kunden sich selbst anschauen und  kritisieren können.

Ja, bisschen Theorie gab es auch, für uns „Fortgeschrittene“ schon deshalb meganützlich, weil wir schließlich alle Antworten parat haben müssten.

Beim Feedback ist Andi noch einen halben Meter gewachsen, ich war nicht allein mit meiner Begeisterung. Aber allein mit meinem Neid auf die, die gerade erst angefangen haben und noch fünf wundervolle Praxistage vor sich haben. Ich überlege, ob ich nicht den Verhaltensberater nachschiebe oder ein privates Intensivtraining, oder, oder. Erfahrungen kann man schließlich nicht genug machen, das habe ich bei diesen Tagen deutlich gemerkt. Theorie, auch wenn man sie noch so intus hat, ist eben doch nicht alles, weil weder die Menschen noch die Hunde dieser Theorie immer voll und ganz entsprechen.

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Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.