Abruf

23. September 2017 // Woche 42

Immer wieder was Neues

Irgendjemand hat mal gesagt, zum Hundetrainer ließen sich die meisten Menschen in erster Linie ausbilden, um Probleme mit dem eigenen Hund zu lösen. Da ist sicher was dran, denn inzwischen kenne ich viele Trainer, deren Vierbeiner zwar superausgebildet, aber dennoch immer mal wieder verhaltensauffällig sind. Nur. Sie nehmen’s, anders als der Hundehalter an sich, entweder leicht und schauen drüber weg oder sie gehen es beherzt an.

So wie ich: Zum Anfang der Ausbildung hatte ich zwei Hunde, die nach der Definition von Ziemer&Falke das Grundtraining erfolgreich hinter sich hatten und sich im Aufbautraining befanden. Jetzt habe ich zwei Hunde, die immer noch im Aufbautraining sind. Jedenfalls teilweise. Rückruf, kein Problem. Die gängigen Signale, kein Problem. Das Jagen finden beide immer noch toll, aber die Pfeife genügt und sie drehen ab, wollen ihren Jackpot und ein Ersatzspiel.

Wären da nicht die Igel. Es ist Igelzeit, wenn ich den Morgenspaziergang mache und einen stöbern sie garantiert auf. Cora bellt, kommt auf Ruf, rennt wieder zurück, kommt erneut und wird angeleint. Chica bellt erst dann, das aber heftig. Kommt auf Ruf und will ihr Ballspiel. Problem gelöst? Mitnichten. Denn sobald ich aufhöre, sie was suchen zu lassen, Bällchen zu werfen, Wettrennen mit ihnen zu machen, rennen sie back to the hedgehock und das in ihren Augen megaherrliche Spiel beginnt von vorne.

Also greife ich zu Plan B (danke Tina, danke Jörg). Ich gehe zu den beiden Igelhassern, nehme das Tierchen mit einer Plastiktüte auf und setze es hinter einem Gartenzaun ab. Sofort erlischt das Interesse und ich bin baff. Spare mit beim nächsten Igel den Weg zu einem Zaun, trage ihn ein paar Meter und setze ihn wieder ab. Klappt. Wahnsinn, ein Jahr lang plage ich mich mit „Nein!“s und ‚“Schluss jetzt!“-Rufen und dabei muss ich nur übernehmen und habe zwei hochzufriedene Hunde.

Ein klitzekleines Problem bleibt: die Marder. Wie macht man bitte Hunden klar, dass es ganz toll ist, wenn sie einer der Autobahnratten, die uns manchmal über den Weg laufen,  den Garaus machen, Marder aber süße Tierchen sind, die sie bitte zu verschonen haben? Mein Jäger sagt mir, das sei Raubzeug, das sie schonungslos verfolgen sollten und außerdem wären mir alle Autofahrer dankbar. Mir aber tut’s weh und ich bin nicht schnell genug, wenn sie einen erwischen. Das ist bei ihnen Sekundensache und sie arbeiten sich perfekt zu. Ich kann die Opfer nicht mehr fragen, warum sie nicht auf einen Baum geklettert sind. Sie sind, genau wie die Autobahnratten, sofort tot. Laut Jäger brauche ich sie nicht zu melden und die zwei, die er sich angeschaut hat, waren räudefrei. Toller Trost. Denn nach den beiden Vorfällen habe ich zwei so Adrenalin-überschüttete Hunde, dass an gemächliches Leinenlaufen nicht zu denken ist. Wir rennen mal wieder – weg von den Mardern, hin zum Auto. Das sitzen dann zwei hechelnde Hunde und ihr total erschöpftes Frauchen.

Wir sind also wirklich noch im Aufbautraining und mit „wir“ meine ich auch mich, die immer noch viel zu emotional reagiert, wie ich dem Kapitel 3 von Lektion 12 entnehmen kann. Ein Verhaltensberater würde danach bei mir das „Reframing“ anwenden, damit ich meine Sicht auf die Marderjagd ändere. Oder doch nicht? Die Sicht und Ansicht meiner Hunde kann ich wohl nicht ändern. Also muss ich an mir arbeiten. Und mich mit dem Gedanken trösten, dass mir irgendwann, wie bei den Igeln, ein Plan B einfällt.

uschi-birr-profilbild

Name: Uschi Birr

Namen der Hunde: Chica, Cora

Wer bin ich? Hundefreundin, Menschenfreundin, Journalistin

Wäre mein Hund ein Mensch, wäre er…? Chica wäre ein Stille-Wasser-Mensch, der immer seinen Willen durchsetzt. Cora ein Triathlon-Athlet.

Ich liebe Hunde, weil…? Sie mir zeigen, wie toll das Leben ist und wie man es am besten meistert.